Audiomitschnitt des Vortrags

 

Andreas Schlothauer: Ein sammelndes Ehepaar, eine seltene Harmonie?.

Frau Kroner: Guten Morgen, damit ist schon ihre allerletzte Frage beantwortet. Wie erträgt der Ehepartner die Sammelwut, wie ertragen es beide? Manchmal schwierig, manchmal bremsen wir uns gegenseitig etwas aus, was auch sinnvoll und nützlich ist.

Herr Kroner: Guten Morgen, ich glaube ich sollte erst einmal sagen wie es bei uns losging. Das ist schon lange her, aber ich weiß das Datum ganz genau. Es war Anfang August 1968, zwei Wochen vor unserer Hochzeit. Ich bin damals durch die Prannerstraße in München gefahren und da sah ich eine Galerie, die heute nicht mehr existiert, da war das ganze Fenster voller präkolumbianischer Stücke, Steinplastiken in unterschiedlicher Größe. Das war zu dieser Zeit für mich der Inbegriff all dessen, was präkolumbianische Kunst ausmacht.

Wir sind dann da hingegangen und haben, unserer finanziellen Lage entsprechend, eine kleine Figur ausgewählt. Interessanterweise war der Galerist, Herr Stolper selbst anwesend und, was uns am meisten verblüffte, als wir sagten, dass wir nicht auf einmal bezahlen können, antwortete er, das können wir auch abstottern in 100-Mark-Beträgen. Da haben wir gesagt, das machen wir. Und er sagte, immer wenn sie mal wieder 100 Mark haben, bringen sie die vorbei. Zu unserer allergrößten Überraschung, wir waren ja völlig neu in dem Geschäft, hat uns der Galerist das Stück dann gleich mitgegeben und wir haben dann ein gutes Jahr abgezahlt. So fing das bei uns an. Und wenn man so will, ist es quasi ein außerehelicher Kunstschatz gewesen, weil wir ihn vor der Hochzeit kauften.

Frau Kroner: Der einzige…

Herr Kroner: Ja der einzige, mehr kannst du dann sagen…

Wir haben dann, ich möchte es ganz kurz erwähnen, gewissermaßen eine prä-afrikanische Phase, fast alles präkolumbianische Stücke, die wir an verschiedenen Stellen gekauft haben. Das ging über wenige Jahre und dann…das erzählst besser Du.

Frau Kroner: Dann befassten wir uns auch immer mehr mit afrikanischer Kunst und das erste Stück habe ich im Jahr 1972 erworben, als ich für meinen Mann ein Geschenk suchte und in der Süddeutschen Zeitung eine Annonce las, dass jemand afrikanische Kunst verkaufte. Da bin ich dann hingefahren und bei Herrn Dr. Schädler gelandet. Bei ihm habe ich unser erstes afrikanisches Stück gekauft, eine Goli-Maske der Baule. Die hängt immer noch an prominentem Platz bei uns. Auch danach haben wir noch öfter Herrn Schädler aufgesucht und schöne Dinge bei ihm erstanden. Dazu eine kleine Anmerkung von Jürgen als er damals ein fast Kafka-eskes Erlebnis hatte.

Herr Kroner: Also ich bin damals, da wohnte Herr Schädler noch in Ottobrunn, kurz vor Weihnachten bei starkem Nebel nach Ottobrunn gefahren und ich wusste eigentlich genau- wir waren ja öfter bei ihm gewesen- wo das ist. Nur an dem Tag wusste ich es nicht mehr. Ich bin die Strasse rauf- und runtergefahren, immer wieder an den Ausgangspunkt zurück. Ich habe es einfach nicht gefunden und dann passierte mir folgendes: Ich bin mit einem anderen Auto zusammen gestoßen in dichtem Nebel und von da an fiel es mir wie Schuppen von den Augen, ich hab es sofort gefunden.

Frau Kroner: Ab 1973/74 begann bei uns eine Babypause, die sich sehr lange hingezogen hat, eigentlich über fast 15 Jahre, und da hatten wir andere Prioritäten zu setzen und haben überhaupt nicht mehr weitergesammelt und später ergab es sich dann, dass wir wieder voll eingestiegen sind und dann an diversen Plätzen, bei Auktionen, in Galerien und bei Sammlern usw. gerne eingekauft haben. Was war eigentlich Ihre letzte Frage?

Andreas Schlothauer: Das ist das optimale Interview. Der Interviewer braucht gar nichts zu sagen, alles geht von selber. Toll.

Was sammeln Sie, das würde mich vor allem interessieren, nach Regionen, Land, ästhetischen Typen?

Frau Kroner: Das geht auch wieder, wie bei bisher allen Interviewten, überwiegend querbeet. Das, was einem gefällt oder was man auf einmal sieht und noch gar nicht so kannte und dann nach etwas ähnlichem sucht. Wir können nicht sagen, wir sammeln dieses oder jenes oder nur Skulpturen oder nur Masken, es ist einfach sehr vielfältig. Und warum? Da kann ich nur dem, in einem heutigen Vortrag zitierten, afrikanischen Weber beipflichten, der gesagt hat: "Die Leute wollen schöne Dinge um sich haben."

Sie haben nach wie vor auch präkolumbianische Stücke?

Herr Kroner: …ja, aber nicht mehr neueren Datums…

Andreas Schlothauer: …nicht nur Afrikanische Kunstwerke sondern auch weitere?

Frau Kroner: Ja auch ozeanische Sachen ...

Haben Sie ein Lieblingsstück?

Frau Kroner: Lieblingsstücke, diese Frage finde ich schwierig. Ein definiertes Lieblingsstück habe ich eigentlich nicht. Es geht mir aber so, dass es Stücke gibt, zu denen ich immer wieder zurückkehre, weil sie immer wieder einen neuen Eindruck hinterlassen. Auf einmal sieht man sie mit neuen Augen. Da kann ich ein Stück erwähnen, bei dem es mir immer wieder so geht, eine Maske der Kwele, die total reduziert gemacht ist, aber sehr stark im Ausdruck, die ich ganz besonders schätze. Und zu gegebenem Anlass, eine N'gere-Maske der Kran die Hans Himmelheber zugeschrieben wird und die wir in Brüssel erstanden haben. Der Galerist hat uns eine Kopie einer angeblichen Himmelheber-Notiz gegeben mit einer schwarz-weiß-Fotokopie, auf der diese Maske zu sehen sein soll. Ich zeig ihnen das später mal.

Herr Kroner: Zu den Lieblingsstücken wollte ich noch was sagen: Es ist natürlich so, dass in der Regel die neu erworbenen Stücken einem besonders gut gefallen und im Laufe der Zeit filtert sich dann so ein Schwerpunkt heraus. Ich würde sagen zu meinen Lieblingen gehören zwei Figuren der Nok aus Nigeria, die wir haben und neuerdings eine Maske der Ibo und eine Maske der N'gere, die wir in Zürich erworben haben.

Waren Sie schon mal in Afrika?

Herr Kroner: Ja wir waren öfter in Afrika, nicht in Westafrika, aber wir waren in Namibia, Südafrika, Tansania, im Sudan, im südlichen Äthiopien und wir werden im August nach Sambia fahren.

Frau Kroner: Und haben da auch noch einiges vor!

Bilder, die während der Unterhaltung gemacht wurden

Bilder gucken

Fotogalerien bei about africa.

Vortrag MU-2008FT-12 Frühjahrstagung 2008 der Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur in München (Staatliches Museum für Völkerkunde), 30. Mai bis 1. Juni 2008 - Ulrike und Hans Himmelheber - Leben und Schaffen

Vielen Dank an Dr. Elisabeth Kroner und Dr. Jürgen Kroner.

Autoren
Dr. Elisabeth Kroner
Dr. Jürgen Kroner
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Was, seit wann, warum ... sammeln Sie? Ein Sammler-Ehepaar im Gespräch ; Dr. Elisabeth Kroner, Dr. Jürgen Kroner; 2008; https://www.about-africa.de/vdfak-tagungen/2008-fruehjahrstagung-muenchen/93-warum-sammeln-sie-sammlerehepaar-gespraech

Nutzungsrechte / Urheberrechte

Beachten Sie die Rechte des / der Urheber! Wenn Sie Artikel übernehmen wollen, fragen Sie nach! About Africa leitet Ihre Anfrage dann gerne an die/den Urheber weiter.

Bei korrekter Zitierweise ist die Übernahme von kleineren TEXT-Ausschnitten ohne Rückfrage erlaubt.

Bilder und andere multimediale Inhalte bedürfen immer der Freigabe durch den/die Urheber.

Disclaimer

Viele Autoren, viele Meinungen! about-africa.de ist nicht verantwortlich für Richtigkeit der angezeigten Inhalte. Wir entfernen natürlich Falsches oder kommentieren im Text, wenn etwas zu hinterfragen ist, jedoch nur soweit wir es beurteilen können oder uns widersprüchliche Ansichten bekannt sind. Wir sind keine Fachleute und sind nicht in der Lage, Fachwissen im Detail auf Richtigkeit zu prüfen. Wir sind jederzeit bereit, Gegenreden zu veröffentlichen.