GO-2008HT-thema

Herbsttagung 2008 der Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur in Göttingen (Institut für Ethnologie und Ethnologische Sammlung der Georg-August-Universität), 24. bis 26. Oktober 2008 - Sammeln, Bewahren, Forschen, Vermitteln - Begegnung von Universität, Museum, Sammler, Händler

Warum das Thema dieser Tagung?

SAMMELN – BEWAHREN – FORSCHEN - VERMITTELN: Begegnung von Universität – Museum – Sammler – Händler

Wir Sammler erleben die absurde Situation, dass in den letzten zwei Jahrzehnten auf den Auktionen und in den Galerien die Werke Afrikas und anderer außereuropäischer Kulturen - vor allem mit Museumsprovenienz - immer höhere Preise erzielen. Gleichzeitig sparen die öffentlichen Träger die ethnologischen Museen zu Tode, und haben sich die Universitäten Deutschlands von der „materiellen Kultur“ Afrikas weitgehend verabschiedet. Die Aus- und Weiterbildung wird zur Privatangelegenheit.

Wir wissen nicht was uns fehlt, da wir das Mögliche nicht kennen:

  • Kooperation der Studenten und Wissenschaftler mit nicht-universitären Fachleuten - ob Sammler oder Händler;

  • Bundesweit organisierte und finanzierte jährliche Treffen der Museumskuratorinnen;

  • Gemeinsame Fortbildungsreisen zu Museen im Inland und Ausland;

  • Schaumagazine in jedem Museum und Internetpräsenz mit allen Stücken und Sammlungsangaben;

  • Kompletterfassung aller öffentlichen Sammlungen außereuropäischer Kulturen in Deutschland;

  • mittel- und langfristige gemeinsame Forschungsprojekte mit afrikanischen Universitäten und regionalen Gemeinschaften.

Anlass der Begegnung sind die Sammlungen in unseren Museen. Das mag für manchen politisch klingen. Das Lamentieren der Sammler, dass es zu wenig gute Ausstellungen, zu wenig Zusammenarbeit mit den Museen, keine öffentlich zugänglichen Magazine, kaum noch Forschung zur materiellen Kultur und Kunst Afrikas, keine Weiterbildungsmöglichkeiten für Sammler gibt, ist dann allerdings auch politisch.

Wie auch immer, vor allem wir Sammler beklagen die heutige Situation, also dürfen und müssen wir diese auch thematisieren. Das bedeutet auch zu verstehen, unter welchen Bedingungen die MuseumskuratorInnen arbeiten, was an der Universität gelehrt wird und was nicht, und welchen Beitrag Sammler und Händler leisten können.

Die derzeitige Mode außereuropäische Werke vor allem als Kunst auszustellen ist ein Konzept, welches - meine These - nur die Mängel in Ausbildung und Ausstellung verbirgt. Wo kein Wissen mehr zu den Gegenständen ist, können auch keine qualifizierten Ausstellungen zur Herstellung und den Herstellern mehr stattfinden. Wir suchen nicht mehr nach der gruppeneigenen Ästhetik der Hersteller der Stücke, sondern setzen unsere Ästhetik - in gut kolonialer Manier - als absoluten Maßstab.

In den Museen lagert ein Wissen, dass wir heute an keinem universitären Lehrstuhl und nicht voneinander, ob Sammler oder Händler lernen können. Stücke und Sammlungen mit echter Provenienz, d.h. gesichertem Sammlungseingang, häufig konkretem Herkunftsort und manchmal sogar den Schnitzerfamilien. Der Zugang zu diesem Wissens-Pool ist vor allem wegen knapper Ressourcen dem Museumspersonal und einigen Wissenschaftlern vorbehalten. Die digitale Technik bietet sehr preiswerte Möglichkeiten der vollständigen Erfassung aller vorhandenen Bestände, und ermöglicht einem weiteren Kreis von Nutzern (Sammlern und Händlern) den Zugang zu Informationen und Stücken. Es geht in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr nur um die wiederholte Ausstellung der, schon vielfach gezeigten, als besonders anerkannten Masken und Figuren, sondern um die Entdeckung und systematische Aufarbeitung der Magazininhalte. Zigtausende von Figuren und Masken, Textilien und Alltagsgegenständen befinden sich dort, häufig mit Informationen, die bislang nur inselhaft detailliert bearbeitet wurden. Erst wenn viele mit den Beständen arbeiten können - und dies auch tun, kann sich in der Ethnologie eine Diskussionskultur entwickeln.

Vielen Dank an Dr. Andreas Schlothauer.

Autor
Dr. Andreas Schlothauer
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Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Thema der Herbsttagung 2008-Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur - GO-2008HT-thema; Dr. Andreas Schlothauer; 2008; https://www.about-africa.de/vdfak-tagungen/2008-herbsttagung-goettingen/129-thema-herbsttagung-2008-vdfak

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