Erschienen in Kunst&Kontext, Ausgabe 2/2011

MÜNCHEN - FRÜHJAHRSTAGUNG 2011 THEMA UND PLANUNG DER TAGUNG

vom 27. bis 29. Mai 2011 im Staatlichen Museum für Völkerkunde

Andreas Schlothauer

Zum dritten Mal in den letzten sechs Jahren (2005 Senufo, 2008 Hans Himmelheber) konnten wir in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für Völkerkunde eine Tagung realisieren. Wie immer wurde das Programm gemeinsam entwickelt. Das Echo war durchwegs positiv bei den über 100 Teilnehmern der drei Tage, darunter mindestens 30 Nicht-Mitglieder, die über die öffentliche Einladung und Mundpropaganda gekommen waren. Das Programm war diesmal vielfältiger als sonst, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf der Zeitgenössischen Kunst Afrikas, seit Jahren ein besonderes Anliegen des Münchner Afrika-Kurators Stefan Eisenhofer.

Die spezielle Kombination der Vortragenden aus den Bereichen Ethnologie, Kunstgeschichte, Kulturwissenschaft, Sammler und Handel war sicher nicht ohne Risiko, aber im Ergebnis für alle bereichernd. Auch die, aus meiner Sicht schwierigen Themen und streitbaren Referenten, haben die Regeln einer fairen Diskussion geachtet. Niemand hat die Tagungsteilnahme für Werbezwecke mißbraucht.

Die Münchner Tagung war sehr stark ein Forum für die Meinungen und Ideen von jungen Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen und der MuseumsmitarbeiterInnen (11, der insgesamt 18 Vorträge). Vier Vorträge wurden von Vereinsmitgliedern gehalten, zwei von Händlern, außerdem war der bekannte Autor Gert Chesi zu Gast. Nicht zu vergessen die engagierten Führungen durch den Afrika-Kurator Stefan Eisenhofer in zwei Ausstellungen.

Herzlichen Dank an die neue Direktorin Christine Stelzig, den Afrika- Kurator Stefan Eisenhofer, Karin Guggeis, Willy Rodrian und all die anderen Museumsmitarbeiter für die, wie immer, sehr nette Zusammenarbeit und hervorragende Organisation, im Namen des Vorstandes und der Mitglieder. Wir konnten uns mit einer Spende von 1.500 Euro an das Museum revanchieren, die für die Anschaffung einer neuen Projektionsleinwand verwendet wird.

In dieser Zeitschrift geben die vier Beiträge von Dorina Hecht, Heike Wintershoff, Egide Muziazia und Bernhard Kühn einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Referate.

Deutschland und die Kunst Afrikas: 1884 bis 1933

Ursprünglich hatten wir, Stefan Eisenhofer, Karin Guggeis und ich, ein anderes Thema gewünscht: "Deutschland und die Kunst Afrikas: 1884 bis 1933" und uns mit folgendem Text an potentielle Referenten gewandt:

"Im Zeitraum zwischen 1884 bis 1933 entstanden in Deutschland nicht nur grosse museale Sammlungen, es erschienen auch wichtige theoretische Arbeiten zur Afrikanischen Kunst. Bis heute prägen die Ansätze etwa von Friedrich Ratzel, Ernst Grosse, Leo Frobenius, Carl Einstein, Eckart von Sydow, Felix von Luschan, Paul Germann, Otto Nuoffer, Richard Karutz, Karl Ernst Osthaus oder Wilhelm Hausenstein in der westlichen Welt die Auseinandersetzung mit Werken aus Afrika.

Überwiegend beschäftigten sich diese Autoren mit afrikanischer Skulptur und Plastik (wie Masken, Figuren und figural verzierten Gebrauchsgegenständen) und deren Wirkungen auf westliche Ästhetik. Im Bestreben, sich einen Überblick über die zahlreich nach Europa gelangenden "fremden Werke" zu verschaffen, entstanden zugleich erste systematische Arbeiten. Und im Versuch, möglichst viele Vergleichsstücke einzubeziehen, wurden erste Stilregionen identifiziert.

Neben künstlerischen und akademischen Kreisen waren aber auch auf "Ethnographica" spezialisierte Händler wie die Familienfirmen Umlauff und Speyer eine wichtige Schnittstelle bei der Auseinandersetzung mit Afrikanischer Kunst und trugen wesentlich zum Austausch zwischen den Museen bei.

Die Tagung widmet sich den Personen, die in Deutschland bis in die 1930er-Jahre die Sicht auf Afrikanische Kunst maßgeblich geprägt haben und teilweise bis heute prägen. Im Mittelpunkt stehen dabei ihre unterschiedlichen Standpunkte und Theorien sowie folgende Fragen:

  • Wie waren die Kontakte der deutschen Afrika-Kunst-Interessierten in besagtem Zeitraum innerhalb Europas, z.B. nach Frankreich, England, Schweiz oder Skandinavien?
  • Welche afrikanischen Werke wurden für Bücher und Ausstellungen ausgewählt?
  • Werden die damals ausgewählten Werke heute noch ausgestellt und welche Rolle spielen sie in der Gegenwart?
  • Wie war damals die Zusammenarbeit zwischen Sammlern, Händlern, Museen und Universitätswissenschaftlern?
  • Welche Wirkung haben diese Personen und ihre Arbeiten bis heute?"

Leider erwies sich die Suche nach ReferentInnen als ungewöhnlich schwierig. Weder in der wissenschaftlichen Welt, noch in Museumskuratorenkreisen scheint das Thema und diese Zeit besondere Hinwendung zu erfahren.

Da im Jahr 2010 zwei Bücher in Deutschland zum Thema Afrikanische Kunst erschienen waren, war für mich die Idee naheliegend eine Diskussion der AutorInnen während einer gemeinsamen Tagung zu initiieren.Viele Sammler und Händler mit denen ich gesprochen hatte, bezogen sich in ihrem Urteil vor allem auf die Abbildungen dieser Bücher, es lohnt sich jedoch auch die Texte zu lesen.

  • "African Art?": Karin Guggeis und Stefan Eisenhofer, Taschen Verlag
  • "Afrika und die Kunst": Dorina Hecht und Günter Kawik, Verlag Günter Kawik

Mit meinem neuen Vorschlag wandte ich mich Ende Februar an den Münchner Afrika-Kurator. Die Antwort kam ein paar Tage später: "Generell finde ich es schon sehr schade und auch problematisch, dass unser eigentlich geplantes Oberthema der Tagung jetzt praktisch gar nicht mehr zum Ausdruck kommt. Grundsätzlich hatte ich gehofft, dass wir eine inhaltlich und qualitativ ähnlich tolle Tagung hinbekommen wie damals zu den Himmelhebers. Aber davon scheint der jetzige Entwurf weit entfernt."

Mit diesen berechtigten Einwänden begann die erneute gemeinsame Arbeit und am Ende der Schnitzerei standen drei Vortragsblöcke.

  • BLOCK A: Zur zeitgenössischen afrikanischen Kunst (ZAK)
  • BLOCK B: Bronzewerke aus Benin und Ife in Nigeria
  • BLOCK C: Provenienz-Stilanalyse-Kontext: Kunsthistoriker, EthnologInnen und Galeristen im Dialog

Zwei davon (A und C) waren gemeinsam mit Stefan Eisenhofer erarbeitet. Block B wurde von Arnd Klinge vorgeschlagen, der sich eine kritische Diskussion zum Benin-Beitrag in Buch "Afrika und die Kunst" wünschte. Im Vorfeld der Tagung war vor allem Block B umstritten, da hier auch ein Referent seine Arbeit zu diesem Thema vorstellen konnte, der eine Galerie betreibt. Das Einbeziehen dieses Berufszweiges als Vortragende bei einer Tagung in einem staatlichen bayerischen Museum ist äußerst problematisch, da diese ihren Auftritt im Museum mehr oder weniger direkt als Forum für Werbung in eigener Sache nutzen könnten. Ein staatliches Museum darf dies jedoch nicht, da sonst von anderen Galeristen und Händlern der Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs erhoben werden könnte. Da der Referent als Privatperson teilnahm und seine Teilnahme nicht für Werbezwecke mißbrauchte, hat sich der öffentliche, steuerfinanzierte Bereich Museum als geeignetes Forum der demokratischen Diskussion aller gesellschaftlichen Berufsgruppen erwiesen. Wichtige juristische Erkenntnis für mich war, daß wir in Zukunft darauf hinweisen, daß die Veranstalter (VdFAK und das jeweilige Museum) "für den Inhalt der Beiträge der externen Referenten nicht verantwortlich zeichnen."

Ein kurzer Überblick zu den Vorträgen und Vortragenden:

FREITAG 27. MAI - MÜNCHEN
Karin Guggeis: "Markt" und Museum - Dynamiken von und zwischen den Ethnographica-Firmen Umlauff und dem Münchner Völkerkundemuseum

Inhalt: Die Dynamiken von und zwischen "Markt" und Museum, bislang ein untererforschtes Feld in Ethnologie und Kunstgeschichte, stehen im Fokus des Vortrags. Dabei werden exemplarisch die Interaktionen und Strategien der Ethnografica-Firmen J.F.G. Umlauff und "Curiositäten Umlauff" sowie des Münchner Völkerkundemuseum anhand von Sammlungs- und Objektbeispielen aufgezeigt. Weiterhin ist die heutige Sicht auf diese Transaktionen von Interesse. (siehe auch den Aufsatz in Münchner Beiträge zur Völkerkunde 13: 23-91).

Zur Person: z.Zt. Doktorandin an der Universität Bayreuth im Fachbereich Ethnologie, Thema des Dissertationsvorhabens sind Biografien von Museumsobjekten. Autorin zahlreicher Artikel über Kunst, Kulturen und Persönlichkeiten Afrikas, Co-Autorin bei den Büchern "Afrikanische Kunst" des Weltkunstverlags (2001) sowie "Afrikanische Kunst" des TASCHEN-Verlags (2010).

Andreas Schlothauer: Ein "Kulthauspfosten(?)" des Kameruner Waldlandes im MfV München (Inv.-Nr. 93.13)

Inhalt: Diese Münchner Skulptur zählt zu den bekanntesten Werken des Kameruner Waldlandes. Häufig beschrieben ist die Wertschätzung von Franz Marc und anderen Künstlern des "Blauen Reiters". Über das Stück selbst und die Erwerbsumstände ist wenig bekannt, Wer war der Sammler Max von Stetten? Aus welcher Region kommt das Stück? Gibt es weitere Vergleichsstücke? Welche Symbole befinden sich auf dem Stück?

BLOCK A: Zur zeitgenössischen afrikanischen Kunst (ZAK)

Stefan Eisenhofer: Zeitgenössische Kunst im Museum für Völkerkunde München: Projekte und Perspektiven

Inhalt: Im Staatlichen Museum für Völkerkunde München konnten von der Afrika-Abteilung in den letzten Jahren mehrere Ausstellungen von und mit zeitgenössischen Künstlern aus Afrika und Europa realisiert werden. Zudem konnten durch das Museum in den letzten Jahren zahlreiche Werke von afrikanischen GegenwartskünstlerInnen angekauft werden - sowohl von solchen, die in Afrika leben und arbeiten, als auch von Diaspora-Künstlern mit afrikanischen Wurzeln. Die unterschiedlichen Diskurse und Erfahrungen sowohl zur Ausstellungs- als auch zur Sammlungspraxis zeitgenössischer Kunst im Münchner Völkerkundemuseum sollen hier vorgestellt werden.

Zur Person:

Stefan Eisenhofer 2011

Ethnologe und Historiker. Seit 2001 Leiter der Afrika- Abteilung des Staatlichen Museums für Völkerkunde München. Mitbegründer und -organisator u.a. des "Münchner EthnoFilm- Fests", des "Ethnologischen Salons" sowie der Konzertreihen "Urban African Sounds" und "African Grooves" im Museum für Völkerkunde München. Dozent am Institut für Ethnologie sowie am Institut für Religionswissenschaft der Universität München. Kurator zahlreicher Ausstellungen "Afrikanischer Kunst" und Autor vieler Publikationen über Kunst und Geschichte Afrikas, zuletzt "Afrikanische Kunst" (2010) im Taschen-Verlag.

Dorina Hecht: Die Präsenz zeitgenössischer afrikanischer Kunst in deutschen Kunstmagazinen während der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika 2010

Inhalt: Die Fußballweltmeisterschaft führte in Deutschland zu einem enormen Interesse an der Kunstszene dieses Landes und anderer afrikanischer Länder, was zahlreiche Ausstellungen und Beiträge in Kunstmagazinen dokumentieren. Dieser Beitrag zeigt auf, welche Künstler in dieser Zeit präsent waren und diskutiert inwiefern dies ein einmaliger Hype oder langsam wachsendes Interesse an afrikanischen Kunstszenen bedeutet.

Zur Person: Dorina Hecht hat im Dezember 2010 zusammen mit dem Sammler Günter Kawik das Buch Afrika und die Kunst – Einblicke in deutsche Privatsammlungen herausgegeben. Seit 2007 arbeitet sie als freie Kunsthistorikerin und Autorin mit dem Schwerpunkt auf zeitgenössische afrikanische Kunst. Sie kooperierte mit verschiedenen Künstlern, Sammlern und Galerien (unter anderem mit der Galerie Peter Herrmann in Berlin) und wurde 2010 für die Arbeit an dem Ausstellungsprojekt Zeitgenössische südafrikanische Kunst aus privaten Sammlungen auf der Art Karlsruhe durch das Auswärtige Amt gefördert.

Daniela Roth: Zeitgenössische afrikanische Kunst im Senegal: Das Festival Mondial des arts nègres III (2010)

Inhalt: Vom 10. bis 31. Dezember 2010 fand im Senegal das 3. Festival Mondial des Arts Nègres statt. Afrikanische Kulturen in ihrer Vielfalt zu präsentieren war erklärtes Ziel der Veranstalter. Der Vortrag zeigt, wie man sich in der Selbstinszenierung auf die großen Vorbilder, das 1. Festival 1966 in Dakar und das zweite, das "Festac", 1977 in Lagos, berief – und wie im Vergleich mit diesen die zeitgenössische Kunst immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Zur Person: Dr. des. Daniela Roth ist unabhängige Kritikerin und Autorin. Als Kunsthistorikerin mit dem Schwerpunkt zeitgenössische Kunst aus Afrika – Promotion mit einer Arbeit über das Werk Romuald Hazoumès aus Benin – forscht und publiziert sie zu Kunst, Kulturalisierung, Globalisierungs- und Pop-kulturellen Phänomenen

BLOCK B: Bronzewerke aus Benin und Ife in Nigeria

Arnd Klinge: Problematik der Altersbestimmung von Beninbronzen

Inhalt: Ich habe vor, die Stärken und Schwächen von wissenschaftlichen Untersuchungen darzulegen, weiterhin möchte ich auf die Frage eingehen, wie es sein kann, dass in den letzten 20 Jahren unzählige Ife und Beninbronzen aufgetaucht sind, von denen so viele gute Ergebnisse bei Altersbestimmungen erziehlt haben. Ein kurzer historischer Abriss über Kultur, Verbreitung der Bronzen (Ife + Benin) soll das Thema einleiten. Inclusive eigener Erfahrungen, die ich vor Ort gemacht habe.

Zur Person: Pilot und stellvertretender Vorstand der VdFAK. Seit den 1990iger Jahren mehr als hundert Aufenthalte in Nigeria, mit Schwerpunkt in der Stadt Benin.

Peter Hermann: Veränderung des Marktes alter Kunst am Beispiel Bronzen aus Südnigeria

Inhalt: Parallel zu der, in Wien gezeigten Ausstellung "Benin. Könige und Rituale", die dann in Berlin als "Benin - 600 Jahre höfischer Kunst aus Nigeria" umbenannt wurde, formulierte ein Umfeld um die Galerie mehrere Positionen zu diesem Thema, die von gängigen Vermutungen abwichen. Peter Herrman führt aus, wie eine größere Anzahl von Objekten, die nun das Prädikat echt führen, in den letzen Jahren den Markt veränderten, warum die großen Auktionshäuser mit Zurückhaltung reagieren und was als Fälschung zu kategorisieren ist.

Zur Person: Galerist in Berlin mit Schwerpunkt auf Zeitgenössische Afrikanische Kunst und Bronzen Nigerias.

Stefan Eisenhofer: Die Kunst Benins - Historische und Ethnologische Anmerkungen.

Inhalt: Trotz zahlreicher Publikationen und Ausstellungen zur Kunst Benins in den letzten Jahren und trotz erheblicher Bemühungen von naturwissenschaftlicher Seite sind viele Fragen zur zeitlichen Einordnung der Bronze- und Elfenbeinwerke nach wie vor ungeklärt. Und noch immer prägen koloniale Mythen den westlichen Blick auf diese höfische westafrikanische Kunst.

Dia- und Filmabend von und mit Gert Chesi

Inhalt: Gert Chesi - seit über 50 Jahren Reisender in Afrika und Asien. Journalist, Fotograf, Gitarrist, Sammler, Buchautor, Museumsbetreiber, A4-Herausgeber. Geboren in der Tiroler Kleinstadt Schwaz, Österreich 1940. www.hausdervoelker.com

Zur Person: www.de.wikipedia.org/wiki/Gert_Chesi

SAMSTAG 28. MAI - MÜNCHEN

BLOCK C: Provenienz-Stilanalyse-Kontext: Kunsthistoriker, EthnologInnen und Galeristen im Dialog

Stefan Eisenhofer und Karin Guggeis: "Kult", "Stamm" und "Anonymität" – Konstrukte von Wissenschaft und Kunstmarkt oder historische Realität?

Inhalt: Sowohl als Sammler Afrikanischer Kunst wie auch als Wissenschaftler wird man bei der Auseinandersetzung mit Werken aus Afrika ständig mit Begriffen, Vorstellungen und Konstrukten konfrontiert, die sich bei genauerer Betrachtung als hinderlich für eine zeitgemäße, post-koloniale Einschätzung vieler Skulpturen und Plastiken erweisen. In diesem kurzen Vortrag sollen einige wichtige Beispiele dazu erläutert werden.

Heike Wintershoff: Der profane Kultwert. Echtheitskonzepte afrikanischer Objekte von Museen, Auktionshäusern und Sammlern

Inhalt:

  1. Afrikanische Objekte werden durch multiple Rezeptionsarten der Postmoderne zu Gebilden mit ganz neuen Funktionen. Kultwert, Ausstellungswert und Tauschwert sind zusammen gefallen und verleihen den Objekten einen profanen Kultwert.
  2. Daraus folgen drei Echtheitskonzepte, die eine gewisse Homologie zu den drei Werten aus These 1 bilden: erstens die Fundierung im Ritual, zweitens "Dasein als Museumsobjekt" und drittens die Konstruiertheit von Provenienz.

Zur Person:

Heike Wintershoff 2011

Ethnologin, Soziologin, Literaturwissenschaftlerin. Feldforschungen in Tansania über Arbeitsmigration von Männern und Frauen der Maasai-Gruppen. Längere Aufenthalte in Paris, den USA und Mexiko. Autorin mit den Schwerpunkten Migration, Hybridität, Kunst und Afrika, Ausstellungskonzepte, Kultur als Text.

Janine Heers und Andreas Schlothauer: Stil - eine optische Definition. Verwendung und Herkunft oder Provenienz und Kunst?

Inhalt: Über Wesen, Inhalt und Erkennbarkeit unterschiedlicher Stile kann lange, ausdauernd und ohne endgültiges Ergebnis theoretisiert werden. Was mit Worten nicht möglich ist, erkennen auch ungeschulte Augen unmittelbar durch Betrachten: zeichnerisch abstrahierte Figuren Afrikas können stilistisch zugeordnet werden. Warum europäische Provenienz, wenn die afrikanische Herkunft interessanter ist? Wem verdanken wir das Wort "Provenienz"? Wieviel Dialog zwischen Ethnologie und Kunstgeschichte ist möglich?

Zur Person: Janine Heers

Geboren am 26.05.1985, Matura 2005, Bachelor of Arts in Visueller Kommunikation mit Vertiefung in Illustration Non Fiction (wissenschaftliche Illustration). Seit meinem 14. Lebensjahr beschäftige ich mich mit afrikanischer Kunst und begann bereits damals mit dem Sammeln. www.janineheers.ch

Dorina Hecht: Kunstgeschichte und traditionelle afrikanische Kunst - Methodische Grenzen und Möglichkeiten

Inhalt: Aktuelle Debatten lassen darauf schließen, dass die Disziplin Kunstgeschichte bereit zu sein scheint, ihre grundsätzlichen Aufgaben von Kanon und Qualitätsbestimmung auf Künstler und Künstlerinnen mit afrikanischer Herkunft auszuweiten und ihren Kunstbegriff neu zu verhandeln. Der Beitrag zeigt auf, welche Rolle deutschsprachige Kunsthistoriker in diesem Diskurs einnehmen.

Dorina Hecht 2011

Bernhard Kühn: Kultgegenstand, Studienobjekt, Kuriosum oder Kunst ? - Bedeutungsebenen ethnologischer Artefakte

Inhalt: Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gab es öffentliche Auseinandersetzungen darüber, ob ethnologische Artefakte Kunst im Sinne des abendländischen Kunstbegriffes sein können. Einen weiteren, weltanschaulich geprägten Höhepunkt erreichte dieser Streit anlässlich der Gründung des Pariser Musée du Quai Branly. Dass ethnologische Artefakte Kunst im Sinne eines universellen Kunstbegriffes sind, soll durch einen Vergleich der Bedeutungsebenen von Werken autochthoner und abendländischer Völker belegt werden.

Zur Person: 1960 geborener, umgeben von afrikanischer Kunst aufgewachsener Sammler, Jurist und Galerist.

Sophie Eliot: Über die Verwendung des Begriffes "Primitive Kunst" in Frankreich.

Inhalt: Die Verwendung des Begriffes "Primitive Kunst" überliefert bis heute negative hierarchisierende Konnotationen über die Kunstproduktion Afrika und seiner Diaspora. Eine Auseinandersetzung mit dem historischen Kontext der Entstehung des Begriffes "primitive Kunst" und seiner Zuschreibungen ist notwendig und kann nicht aufgrund leidschaftlichem Sammeln ignoriert werden.

Zur Person: Sophie Eliot lebt und arbeitet in Berlin. Sie hat Germanistik in Rennes (Frankreich) und Kulturarbeit in Potsdam studiert. Derzeit ist sie Doktorandin im Kolleg "Kulturwissenschaftliche Geschlechterstudien" an der Universität Oldenburg und am Forschungskolloquium des Fachbereiches "Kunst Afrikas" an der Freien Universität Berlin. Sie promoviert über kuratorische Praxen im Feld der "zeitgenössische afrikanischen Kunst" mit dem Fokus auf die Rolle von KuratorInnen in Diskursen um "nicht-westliche Kunst" im internationalen Kunstbetrieb.

Ausstellungsführung: Afrika-Sektion der Ausstellung "Weiter als der Horizont"
Egide Manziazia: Das Königreich Kongo. Ein Modell der Harmonie zwischen Kunst und Religion.

Zur Person:

Egide Manziazia 2011

Geboren in Tumikia/ Kongo am 12.10.1981. 2002 Studium der Philosophie an der philosophischen Universität Sankt Augustin/Kinshasa. Oktober 2007 bis Oktober 2010 Studium der Theologie an der Universität München und an der Hochschule Sankt Augustin. Egide Muziazia ist Mitglied des Steyler Ordens und arbeitet zurzeit als Pastoralreferent in Sankt Bonifaz München. Neben seinem Studium hat er drei Jahre mit Bruder Gebhard Rahe im Haus Völker und Kulturen gearbeitet. Die afrikanische Kunst war sein Schwerpunkt.

Verfasser: Andreas Schlothauer

Vielen Dank an Dr. Andreas Schlothauer.

Autor
Dr. Andreas Schlothauer
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FRÜHJAHRSTAGUNG 2011 MÜNCHEN-THEMA UND PLANUNG; Dr. Andreas Schlothauer; 2011; https://www.about-africa.de/vdfak-tagungen/2011-fruehjahrstagung-muenchen/293-fruehjahrstagung-2011-muenchen-thema-und-planung

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