Die beiden Tage stehen ganz im Zeichen der Ausstellung. Auch hier gilt, daß jeweils das Abendessen für Tagungsteilnehmer kostenlos ist und vorbestellt wird; bitte verbindlich anmelden! Wer Köpfe rollen lassen möchte, muß diese nicht abschneiden. Auch handeln wir bisweilen kopflos, ohne tatsächlich denselben verloren zu haben. Wer sich etwas in den Kopf setzt, hat nicht selbst dort Platz genommen. "Kopf"-Sprichwörter und -Floskeln zeigen die Bedeutung dieses Körperteils, den unser Gesicht repräsentiert und unsere Haare bedecken.

Erstaunlich, daß Kopf und Schädel weltweit erstmalig eine eigene Ausstellung gewidmet wird:

ab 2. Oktober 2011 bis 29. April 2012 ist die Stadt Mannheim Kopf der Welt.

"Schädelkult - Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen"

http://www.schaedelkult.de/

Ein Anlass war die Wiederentdeckung einer der bedeutendsten Schädelsammlungen des 19. Jahrhunderts. Gabriel von Max (1840-1915), Künstler, Sammler und Darwinist, damals einer der bekanntesten Maler Deutschlands, hatte diese seit den 1870iger Jahren zusammengetragen. In seinem Münchner Privatmuseum waren prähistorische Funde aus Europa und Ethnografika aus allen Kontinenten ausgestellt, darunter heute sehr wertvolle eiszeitliche Kunstwerke, sowie Figuren und Masken aus Afrika und Ozeanien. Im Jahr 1917 erwarb die Stadt Mannheim den geschätzten Bestand von 60.000 bis 80.000 Objekten.

Während die ethnografischen Sammlungen Eigentum der heutigen Reiss-Engelhorn-Museen (REM) blieben, galt ein großer Teil der Schädelsammlung nach dem Krieg als verschollen und wurde erst 2008 an der Universität Freiburg wiederentdeckt.

Die Auswahl geeigneter Exponate war dem promovierten Paläontologen Wilfried Rosendahl, Kurator, stellvertretender Direktor Archäologie und Weltkulturen sowie Leiter der Abteilung "Weltkulturen und Umwelt" in Mannheim ein sehr wichtiges Anliegen. Neben dem Kernteam von acht Museumsmitarbeitern, waren sieben Experten aus Basel, Berlin-Schwabstedt, Freiburg, Konstanz und Mainz als Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates bei der Auswahl und Präsentation der Stücke, dem Schreiben von Ausstellungs- und Katalogtexten eingebunden. Viel Zeit und Sachverstand wurde verwendet, um sich geschichtlich und thematisch Kopf und Schädel zu nähern: ausgehend vom Neanderthaler, über alle vor- und frühgeschichtlichen Epochen, die Antike bis zur Neuzeit.

Die insgesamt 320 Exponate kommen aus 44 Museen und sechs Privatsammlungen in acht Ländern (Europa, Israel). Etwa ein Viertel aus dem Bereich Archäologie-Anatomie, ein Viertel aus dem Bereich Kunst und Kultur, und etwa die Hälfte der ausgestellten Stücke sind Ethnografika aus Afrika, Asien, Ozeanien, Süd-, Mittel- und Nordamerika. Viele dieser Schädel sind Kunstwerke. Mit Lehm überzogene, bunt bemalte Schädelmasken der Tolai, mit Mustern beschnitzte, geschwärzte Dayak-Schädel, mit Leder überzogene Kopfaufsatzmasken der Ejagham, mit Spiegeln und Glasperlen verzierte Schädel der Vili (Kongo), Schrumpfköpfe der Jivaro-Völker, ein, mit grünen Türkissteinen verzierter, Schädel der Mixteken und ein mumifizierter, mit Federn geschmückter Trofäenkopf der Mundurucu.

Auch für Spezialisten überraschend ist die grosse Vielzahl von kunstvoll verzierten Schädeln des afrikanischen Kontinents, aus den Ländern Angola, Benin, Kamerun, Kongo, Nigeria, Togo und Madagaskar. Zu sehen sind nicht nur Schädel und Köpfe, sondern auch Federschmuck, beschnitzte Schädelhäuschen, sowie seltene und wertvolle Figuren z.B. der Fang und Kota aus Gabun; denn Verwendung und Feste, der Kontext, werden in der Ausstellung ebenfalls thematisiert.

Ein besonderes Stück sei hier nur angekündigt. Die "Überraschung" wird mit ausführlichen Hintergrundinformationen einen Tag nach Ausstellungseröffnung erstmals von SPIEGEL TV vorgestellt.

Nach den erfolgreiche Ausstellungen der letzten Jahre " Mumien - Der Traum vom ewigen Leben" (2007/08) mit über 200.000, "Alexander der Große" (2009/10) mit etwa 180.000 und "Die Staufer und Italien" (2010/11) mit knapp 240.000 Besuchern, wird auch die Ausstellung "Schädelkult" ihr breites Publikum finden. Dank der fähigen Ausstellungsmacher zählen die Reiss- Engelhorn-Museen derzeit zu den wichtigsten Häusern in Europa. Die Ausleihe von Exponaten aus 44 Museen ist nicht nur eine logistische Leistung, sondern auch Beleg für die starke Vernetzung der Mannheimer.

Fünzig Autoren aus den Fachbereichen Archäologie, Ägyptologie, Anthropologie, Biologie, Medizin, Kunst- und Kulturgeschichte, Philosophie und Ethnologie, haben Beiträge für den etwa 400-seitigen Ausstellungskatalog geschrieben. Ein Fachsymposium mit mehr als dreissig wissenschaftlichen Präsentationen findet vom 27. bis 30. Oktober 2011 statt, eine Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur e.V. Alle Beiträge sollen 2012 zeitnah in einem Symposiumsband veröffentlicht werden. Da eine kulturübergreifende Betrachtung von Kopf und Schädel bisher kaum in der wissenschaftlichen Literatur stattgefunden hat, werden Ausstellungskatalog und Symposiumsband wohl für Jahrzehnte weltweite Standardwerke sein.

Der Ausstellungskatalog erscheint im Verlag Schnell&Steiner und kostet als Hardcoverversion 19,90 €

 

Vielen Dank an Dr. Andreas Schlothauer.

Autor
Dr. Andreas Schlothauer
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Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Tagungsthemen Freitag 28. und 29. Oktober 2011; Dr. Andreas Schlothauer; 2011; https://www.about-africa.de/vdfak-tagungen/2011-herbsttagung-mannheim/266-tagungsthemen-freitag-28-und-29-oktober-2011

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