Das Museum für Völkerkunde feiert seinen 100. Geburtstag - "Die Welt zu Gast in Burgdorf" - BU-2009AS-0a

 

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Die Schule am Gsteig. Bildbearbeitung: reLater, Berlin, www.ghsvs.de

Im Mai 1909 öffnete das Museum für Völkerkunde, damals noch „Schiffmann’sche Sammlung“ genannt, erstmals seine Türen für die Öffentlichkeit und präsentierte den staunenden Besuchern Kuriositäten aus fernen Ländern im Schaukasten.

Dass eine Schweizer Kleinstadt ein Völkerkundemuseum besitzt - und dies seit nunmehr einem Jahrhundert – darf als außergewöhnlich bezeichnet werden.

Aus Anlass dieses Jubiläums thematisiert die kleine Galerieausstellung „Die Welt zu Gast in Burgdorf“ die wechselvolle Geschichte des Museums in den letzten hundert Jahren. Dazu werden im Burgdorfer Kulturschloss ausgewählte Objekte aus den Beständen des Depots gezeigt und die wichtigsten Protagonisten vorgestellt, die mit ihrem Einsatz und ihrer Leidenschaft die Historie der Institution mitgeprägt haben.

Zum Geburtstag wurde außerdem die gesamte Ausstellungs-Fläche im Kulturschloss Burgdorf neu gestaltet. Seit Ende August läuft nun auch die große, neue Ausstellung "An den Ufern des Amazonas" mit kolumbianischen, peruanischen und brasilianischen Objekten, die größtenteils erstmalig der interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden.
Auch auf die nur noch bis 15.11.9 geöffnete Sonderausstellung "Mumien", die in Kooperation mit der KULTURAMA-Stiftung Zürich entstand, sei hier hingewiesen.

Ferne Schätze in vertrauter Nähe

Die ersten Völkerkundemuseen entwickelten sich im 19. Jahrhundert aus den Kuriositätenkabinetten der Fürstenhöfe. Im Mittelpunkt standen damals vor allem die als fremd und bizarr empfundenen Sitten und Gebräuche einzelner Völker, von denen sich die Besucher gleichzeitig abgestoßen und fasziniert fühlten.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden auch in den größeren Schweizer Städten Völkerkundemuseen, so etwa 1849 in Basel, 1889 in Zürich und 1901 in Genf. Dass sich Burgdorf zu Beginn des 20. Jahrhunderts ebenso rühmen konnte, über eine eigene ethnografische Sammlung zu verfügen, verdankt es seinen weltoffenen Bürgern mit ihren weit reichenden Geschäftsverbindungen und Auslandsbeziehungen.

Denn Burgdorf, im Berner Emmental gelegen, war ab 1850 berühmt für Käse und Leinen, die bis in ferne Länder exportiert wurden, und es scheint den hiesigen Handelsleuten ein Anliegen gewesen zu sein, die fremden Kulturen dem Publikum zuhause näher zu bringen.

Weitgereiste Burgdorfer

Den Grundstein für das Völkerkundemuseum legte Heinrich Schiffmann, der 1872 als Kaufmannssohn in Burgdorf geboren wurde. An Tuberkulose leidend, unternahm er ausgedehnte Reisen rund um den Globus und erwarb zahlreiche Gegenstände, die er testamentarisch dem Gymnasium von Burgdorf vermachte. Fünf Jahre nach dem frühen Tod von Schiffmann 1904 wurde seine Sammlung am 2. Mai 1909 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Dank des großen Einsatzes der Museumskonservatoren wuchs die Sammlung in den nachfolgenden Jahrzehnten rasch an. Dabei konnte das Museum immer auch auf Burgdorfer Persönlichkeiten zählen, die sich berufshalber im Ausland niedergelassen hatten und ihrer Heimatstadt wertvolle Exponate zukommen ließen.

Heute umfasst das Museum für Völkerkunde über 5000 Objekte aus den Kulturen Asiens, Afrikas, Amerikas und Ozeaniens.

Vielen Dank an Alexandra Küffer, Erika Bürki!

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