Perspektiven der burgdorfer ethnol. Sammlung - will time tell?

 

Objekt aus dem Museums-Magazin. Bildbearbeitung: reLater, Berlin, www.ghsvs.de

"Und der Dank für solches Sammeln wird nicht ausbleiben: eine spätere Generation wird es unseren Behörden hoch anrechnen, dass..."

Das Museum Burgdorf wird im Jahr 2009 seinen 100-jährigen Geburtstag feiern, ein besonderes Datum...

...und eine besondere Verpflichtung.

Viel Zeit, Energie und Geld Burgdorfer Bürger, der öffentlichen Träger und natürlich der Museumsmitarbeiter wurde in den Erwerb und Erhalt der Sammlung, sowie in vielfältige Ausstellungen investiert.

Soll dies nicht nutzlos gewesen sein, so muss sofort etwas getan werden!

Denn die Lagerung der Sammlungsgegenstände unter dem recht alten Dach des Schulhauses im Kirchbühl 11 zwingt zum sofortigen Handeln:

  • viel zu wenig Platz für geeignete Lagerung und/oder/neben Bewahrung bzw. Bearbeitung der Sammlung
  • viel zu viel Staub, den man aufgrund der Enge und Dachbodenlage auch nicht mehr rausbekommen kann ohne alle Objekte zuvor auszulagern
  • extreme Temperaturschwankungen (Altbau-Dachboden!)
  • extreme Feuchtigkeitsschwankungen (dito!)

Im Dachbodendepot: Alte Schränke, Enge und dazwischen die Kunst.

Dies sind keine angemessenen Aufbewahrungsbedingungen für Weltkultur. Kulturelle und finanzielle Werte im Besitz der Burgdorfer Bürgergemeinde verfallen dadurch kontinuierlich, unaufhaltbar.

Mehrere Umzüge haben zusätzlich ihren Teil zum schlechten Zustand einzelner Stücke beigetragen. Dennoch, viele Objekte der Sammlung würden heute auf dem Kunstmarkt fünf- und sechs-stellige Beträge erzielen können.

Ein reiches Land wie die Schweiz kann die im fortschreitenden Verfall der Bestände begründeten finanziellen Verluste sicher verschmerzen, aber bewahren wir in unseren Museumsmagazinen unser Eigentum?

Brasilianische Indigene zu Besuch in der Schweiz
Foto: Aruá, Canoé, Jabutí, Tuparí, Makurap zu Besuch in DE, CH, AT, NL im Juni 2009

Nein, es ist das Kulturgut einer Vielzahl von Stammesgemeinschaften, Völkern und Kulturen. Dieses gemeinsame Weltkulturerbe auch in Zukunft zu erhalten ist eine große Verpflichtung und ein bisher nicht erkanntes Potenzial der Begegnung von Menschen und Gemeinschaften der Welt. Was werden wir ihnen jeweils sagen können, wenn sie die Werke ihrer Ahnen bei uns sehen wollen? [Anm.d.Setzers: oder die Mumie eines Ahnen unter diesen Bedingungen im Regal sitzen sehen?]

Leider ist die Situation in Burgdorf typisch für die kleinen und mittleren Völkerkundesammlungen in der Schweiz und Deutschland. Die öffentlichen Träger der Museen stehen diesem Erbe meist ratlos gegenüber und sparen die Museen zu Tode.

Natürlich sind kleine Museen von den Personalkosten überfordert. Für den Erhalt der Stücke, hergestellt aus den verschiedensten Materialien (Metall, Holz, Textilien, Federn etc.), ist die regelmäßige Kontrolle und Betreuung durch spezialisierte Experten (Restauratoren oder Sammlungsbetreuer) Voraussetzung.

Diskutiert wird daher in letzter Zeit an mehreren Orten die Zusammenlegung von Sammlungen. Hiergegen spricht‚ dass das jeweilige völkerkundliche Museum ein Teil der gemeindlichen und kantonalen Geschichte ist. Es wäre bedauerlich diesen Teil der Stadtgeschichte leichtsinnig wegzugeben, denn jedes Kind von heute oder morgen, könnte einen abenteuernden Groß- oder Ur-Großvater in dem Museum seiner Stadt entdecken. Es findet nicht nur die eigenen familiären Wurzeln, sondern auch die regionale Geschichte dieser Zeit. Außerdem ist es undankbar, baut doch die jeweils heutige Generation immer auf dem vorgefundenen Wohlstand der vorhergehenden Generationen auf. Wie Ernst Roth, aus der Familie des Museumsgründers Henri Schiffmann, im Jahr 1995 schrieb: “Verehrung der Ahnen wäre also dankbare Erinnerung an das Gute, das sie uns hinterlassen haben.” (Burgdorf 1995,S.6)

Unlösbare Wiedersprüche?

Eine denkbare Lösung könnte sein:

Dezentral Ausstellen und Zentral Betreuen.

Dann wären nur die Magazin- und Ausstellungsräume von der Stadt Burgdorf zu stellen und zu unterhalten. Die einmalige Investition in die Sanierung eines geeigneten Gebäudes könnte ein gemeinsames Projekt der Gemeinde Burgdorf, des Kantons Bern und der Schweiz sein. [9]

Das leer stehende Kornhaus in Burgdorf. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Burgdorf_BE[9] Ein weitgehend fertiggestelltes Haus, das sogenannte Kornhaus, steht seit Jahren leer und wäre als zukünftiger Ausstellungsort in der Schul- und Museumsstadt ideal geeignet. Es beherbergte ab 1991 das Museum für Volkskultur. 2005 wurde es "liquidiert, weil der Versuch, neben der Stadt Burgdorf und dem Kanton Bern auch noch den Schweizerischen Bundesstaat in die Trägerschaft einzubeziehen, erfolglos blieb" (de.wikipedia.org/wiki/Kornhaus_(Burgdorf)).

Das Fachpersonal (Restauratoren und Kuratoren) ist dann für mehrere Schweizer Museen zuständig und wird von Kanton und Bund bezahlt. Die Finanzierung der Stelle einer Direktorin oder eines Direktors wäre Angelegenheit der Gemeinde Burgdorf, damit die Interessen der Inhaberin der wertvollen Sammlungen auch in Zukunft angemessen bewahrt werden.

Der erste Konservator - Dr. Arnold Kordt - der Burgdorfer Sammlung von 1908 bis 1939 schrieb vor vielen Jahren:

“Und der Dank für solches Sammeln wird nicht ausbleiben: eine spätere Generation wird es unseren Behörden hoch anrechnen, dass sie ... je und je die nötigen Mittel zum weiteren Ausbau dieser Bildungsstätte bereit stellten.” (Kordt in Burgdorf 1995, S.14)

Aus dem Sammlungsbericht des Gymnasiums. Dank an die Unterstützer bei der Finanzierung.

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