Das Lübecker Zeughaus. Bis 2007 Sitz der Völkerkundesammlung.
Museumsgebäude außen. Das Lübecker Zeughaus.

Im Jahr 2002 wussten die damals verantwortlichen Politiker der "weltoffenen Hansestadt Lübeck" nicht mehr so recht, was sie mit den im Völkerkundemuseum angesammelten Ergebnissen dieser Weltoffenheit anfangen sollen.

Sind die Schenkungen, Spenden und Ankäufe von mehr als 500 Bürgern der Stadt, vor allem aus der Zeit zwischen 1885-1920, heute Ballast?

Während andere Museen der Stadt - mit schlechteren Besucherzahlen - weiterhin geöffnet sind?

Hatten die Schenker ihre Stücke etwa nicht für das ewige Halbdunkel eines Magazins bestimmt?

Gedenktafel für die Lübschen Schencker.
Museumsgebäude innen. Gedenktafel für die Lübschen Schencker.

Die Lübecker Politiker, die diese Entscheidung fällten, wissen nichts darüber, unter welchen Schwierigkeiten und Mühen die damaligen Lübecker Schenker diese Stücke durch die halbe Welt ausgerechnet in ihre Heimatstadt brachten. Wie wenig ehrt ihr die Mühen eurer Vorfahren und eure eigene Geschichte!!!

Leider bedeuten die meisten Namen, einst honoriger und wichtiger Bürger der Stadt, uns heute nichts mehr. Wie würden die, für die Schließung verantwortlichen Lübecker Politiker mit dieser Sammlung und dem Museum umgehen, wenn z.B. die Lieblings-Vorzeigekinder der Stadt Thomas Mann und Günter Grass die Völkerkundliche Sammlung in einem ihrer Romane erwähnt hätten oder diese und der Nobelpreisträger Willy Brandt Sammler gewesen wären?

... und ihre völkerkundlichen Sammlungen der Stadt Lübeck geschenkt hätten???

Schild an der Tür des Zeughauses
Museumsgebäude außen. Geschlossen-Schild am Zeughaus.

Müßige Spekulation. Der Schließungsbeschluss der Bürgerschaft wurde in Etappen realisiert, sodass heute am Tor des Museums das Schild "GESCHLOSSEN" hängt.

Aber nicht nur Lübeck, auch in Kiel, in Hannover, in Braunschweig, in allen norddeutschen Städten (mit Ausnahme Hamburgs), ist die Gefahr groß die Sammlungen außereuropäischer Kulturen als minderwertig zu behandeln. Was früher Rassismus war, ist heute Missachtung und Gleichgültigkeit.

Alle reden von Globalisierung, aber nur wenige kennen die Geschichte und die - oft religiös-kultische - Kunst anderer Kulturen. Diese Unkenntnis ist Nährboden für die Angst vor "den Anderen", für Intoleranz, Überheblichkeit und letztlich Gewalt. Wer Geschichte und Kultur anderer Völker kennt und schätzen kann, ohne den Wert seiner eigenen Geschichte und Kultur zu missachten, für den gibt es nur gut und schlecht handelnde Menschen. Ein erster Schritt in andere Welten war für viele Lübecker der Besuch von Ausstellungen der völkerkundlichen Sammlung. Das war einmal.

Lübeck ist das derzeit schlimmste Beispiel eines Trends in den mittelgroßen Städten Deutschlands:

  • Kuratorstellen werden nicht mehr neu besetzt,
  • Sammlungen in Magazinen weggesperrt,
  • Museen geschlossen,

... während auf den internationalen Kunstmärkten die Preise für qualitätvolle Stücke mit gesicherter Provenienz (Eingang in Europa) immer höhere Preise erzielen.

Warum schätzt die (Geld- und Kunst-) Elite Europas und Amerikas diese Stücke?

Es scheint wie ein Irrtum, denn

  • alle wollen die Wiedereröffnung,
  • allen fehlt etwas nach der Schließung des Museums.

Die Bemühungen das Museum wieder zu eröffnen können an der derzeitigen Diskussion abgelesen werden.

Diese Diskussion wollen wir unterstützen und dokumentieren, denn wenn es geklappt hat, sollen auch die anderen Städte das Lübecker Konzept als Beispiel nachmachen können.

Vielen Dank an Dr. Andreas Schlothauer.